Ein aktueller Beitrag zeichnet Fuerteventura als nahezu „abzockefreie“ Insel, auf der ein Format wie „Achtung Abzocke“ kaum Sendezeit füllen würde und „praktisch keine dokumentierten Fälle klassischer Kostenfallen“ existieren. Die Grundaussage: Fuerteventura sei sicher, ehrlich – und Betrug eher eine Randerscheinung.
Die gute Nachricht: Fuerteventura ist tatsächlich ein vergleichsweise sicheres Reiseziel ohne flächendeckende Touristen-Abzocke. Die schlechte: Ganz so sauber, wie es der Artikel suggeriert, ist die Realität nicht. Ein Blick in Berichte von Fuerteventura.News und anderen seriösen Quellen zeigt: Betrug und Kriminalität gibt es – nur anders, als manche Klischees vermuten lassen. Betrug 2.0 ist die neue Masche.
Kolumne von Ingo Töpfer, Fuerteventura.News
Was am „Sicherheits-Idyll“ stimmt
Zunächst das, was korrekt ist und worin sich der kritisierte Artikel mit vielen Erfahrungsberichten deckt:
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Fuerteventura ist kein Kriminalitäts-Hotspot
Reiseportale und Auswertungen zur Sicherheit beschreiben die Insel als insgesamt ruhiges Reiseziel. Gewaltkriminalität gegen Touristen spielt in der Praxis eine deutlich geringere Rolle als Alltagsdelikte. -
Typische Risiken: Diebstahl und Autoaufbrüche
Auffällig – und seit Jahren Thema in Foren – sind vor allem Diebstähle: Taschendiebstähle, aufgebrochene Mietwagen, gestohlene Wertsachen aus geparkten Autos, insbesondere in touristischen Gemeinden wie La Oliva und Pájara. Wer Wertsachen nicht offen liegen lässt und an abgelegenen Parkplätzen aufpasst, ist klar im Vorteil. -
Vorsicht statt Panik
Auch Warnungen vor „zu günstigen“ Elektronikangeboten in Touristenzentren und vor kleineren Touristenfallen (Blumen, „Geschenke“ gegen Spende etc.) sind realistisch und decken sich mit Erfahrungen aus vielen Urlaubsregionen – Fuerteventura ist hier eher normal als extrem.
Kurz: Der Grundtenor „kein tägliches Abzocke-Dauerfeuer“ stimmt. Aber daraus abzuleiten, es gebe „praktisch keine“ dokumentierten Fälle von Betrug, geht an der Realität vorbei.
Was wir selbst über Betrug berichten müssen
Bereits ein Blick in die eigene Berichterstattung von Fuerteventura.News widerspricht der These, Betrugsfälle seien auf der Insel kaum dokumentierbar.
Eigener Themenbereich „Betrug“
Unter dem Tag „Betrug“ finden sich regelmäßig Artikel, die sehr konkrete Fälle auf Fuerteventura oder in unmittelbarer Nähe dokumentieren:
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Phishing-Betrug mit Bankdaten
In einem Beitrag berichten wir über einen Fall, in dem die Guardia Civil einen Phishing-Betrug auf Fuerteventura aufgeklärt hat. Dabei wurden Bankdaten ausgespäht, anschließend Kartenkopien hergestellt und mehrere tausend Euro an Geldautomaten abgehoben. Am Ende stand die Festnahme eines Verdächtigen. -
Gefälschte Pässe und Kreditkarten in Hotels
In einem weiteren Artikel schildern wir, wie zwei Personen mit gefälschten Pässen und manipulierten Kreditkarten in einem Hotel auf Fuerteventura unterwegs waren. Die Beamten beschlagnahmten unter anderem zahlreiche Kreditkarten und Bargeld – ein klassischer Betrugsfall, der ohne Ermittlungen wohl zulasten von Hotel und Banken gegangen wäre. -
Warnungen vor unseriösen Ferienhaus-/Villenangeboten
Fuerteventura.News greift zudem Warnungen vor Betrug im Bereich Ferienvermietung auf: gefälschte oder nicht existente Villenangebote, bei denen Interessenten Anzahlungen leisten und am Ende ohne Unterkunft dastehen könnten.
Diese Beispiele zeigen: Betrugsfälle sind keineswegs „praktisch nicht“ dokumentiert – sie sind Bestandteil der lokalen Berichterstattung.
Mehr Kriminalität in Touristenorten – was externe Analysen sagen
Auch unabhängige Auswertungen der Kriminalitätsstatistik zeichnen ein differenziertes Bild:
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Deutlicher Anstieg registrierter Delikte
Eine Analyse zur „Kriminalität auf Fuerteventura“ weist einen deutlichen Anstieg der registrierten Straftaten aus – mit einem Plus im Bereich von knapp 20% in einem Jahr. Besonders betroffen sind die touristischen Gemeinden La Oliva (Corralejo) und Pájara (Morro Jable, Costa Calma). -
Schwerpunkt: Diebstahl und Einbrüche
Die Zunahme geht vor allem auf mehr Diebstähle und Einbrüche zurück. Spektakuläre Gewaltverbrechen gegen Urlauber bleiben selten; das Problem ist eher die Masse kleiner Fälle, die oft mit Unachtsamkeit und günstigen Gelegenheiten zu tun haben.
Diese Daten sprechen nicht für Panik – aber sie sind ein klares Gegenargument zur Erzählung von der quasi „kriminellen weißen Weste“ der Insel.
: Digitale Maschen bis nach Corralejo
Der kritisierte Artikel konzentriert sich stark auf klassische Touristenfallen im Straßenbild. Die Realität 2026 ist komplexer: Betrug verlagert sich zunehmend ins Digitale – auch auf Fuerteventura.
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Fake-Job-Betrug in Corralejo
Ein aktueller Fall, über den unter anderem Radio Europa berichtet, zeigt ein modernes Schema: Eine Person in Corralejo wird über ein vermeintliches Online-Jobangebot (kleine Aufgaben, „Likes und Kommentare posten“) in ein System scheinbarer „Investments“ gelockt. Nach und nach fließen Überweisungen – am Ende steht ein Schaden von rund 30.000 Euro. -
Phishing-Welle auf den Kanaren
Teneriffa-News berichtet parallel über eine „Phishing-Welle“ auf den Kanaren, bei der Betrüger sich per E‑Mail als Behörden oder Unternehmen ausgeben, um Zugangsdaten und TANs zu stehlen. Die Polizei warnt ausdrücklich vor solchen Mails, besonders in sensiblen Phasen wie der Steuerkampagne.
Diese Fälle betreffen sowohl Residenten als auch Reisende und zeigen: Betrug auf den Kanaren findet längst nicht nur an der Hotelrezeption oder auf der Promenade statt.
Was bleibt von der „Achtung Abzocke würde hier nichts finden“-These?
Unterm Strich lässt sich sagen:
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Ja, Fuerteventura ist für Urlauber im internationalen Vergleich ein relativ sicheres Reiseziel. Weder organisierte Straßenbanden noch seriell laufende „Abzocke-Shows“ bestimmen das Bild.
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Nein, es ist sachlich falsch zu behaupten, es gebe „praktisch keine“ dokumentierten Fälle von Betrug oder Kostenfallen. Fuerteventura.News und andere seriöse Quellen berichten regelmäßig über:
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Betrug mit gefälschten Pässen und Kreditkarten
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Phishing und Online-Bankbetrug
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Warnungen vor unseriösen Ferienhaus- und Villenangeboten
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deutliche Zuwächse bei Diebstahl und Einbrüchen in Touristenorten
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Eine realistische Formulierung wäre daher:
Fuerteventura ist keine Abzocke-Hochburg, sondern eine Insel, auf der man mit normaler Vorsicht sehr entspannt Urlaub machen kann. Betrug und Kriminalität gibt es trotzdem – von digitalen Maschen bis zu echten Betrugsfällen mit gefälschten Papieren. Wer aufmerksam bleibt, auf seine Wertsachen achtet und bei „zu schönen“ Angeboten skeptisch ist, minimiert das Risiko deutlich.
So bleibt vom romantischen Bild der „sicheren Insel“ das Wesentliche erhalten – ohne die unangenehmen Fakten unter den Teppich zu kehren.
Infokasten: Sicher unterwegs auf Fuerteventura
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Wertsachen nie sichtbar im Auto lassen, auch nicht „nur kurz“.
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An abgelegenen Strandparkplätzen (z. B. einsame Buchten) besonders vorsichtig sein.
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Bei Ferienhäusern/Villen immer Anbieter prüfen, Bewertungen lesen und sichere Bezahlwege nutzen.
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Keine TANs, PINs oder Vollmachten per Mail, Chat oder Telefon weitergeben – auch nicht an vermeintliche „Bank“ oder „Behörde“.
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Bei „Jobs“, Investments oder Gewinnversprechen: Misstrauen, wenn du erst zahlen musst, um angeblich mehr zu bekommen.
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In Shops mit Super-Schnäppchen (Elektronik, Uhren, Schmuck) Preise vorher online vergleichen, nichts unter Druck unterschreiben.
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Im Zweifel: Guardia Civil, Policía Local oder Konsulat/Heimatbank kontaktieren, bevor du Geld überweist.
Weiterlesen: Betrug & Sicherheit auf Fuerteventura, Guardia Civil
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