Vom Mietvertrag des Vaters 1956 bis zum Tod im Krankenhaus am 7. Oktober 2026: Wie aus dem Streit um einen Altvertrag in Madrid ein nationaler Konflikt um das Recht auf Wohnen wurde und warum die Einigung erst nach der Räumung kam. (Stand: 8. Oktober 2026)
Teil 2 :Die Chronologie des Falls Maricarmen Abascal
Vom Altvertrag zum Rechtsstreit
1956 bezieht Maricarmens Familie die Wohnung in der Calle Alcalde Sainz de Baranda im Madrider Stadtbezirk Retiro, der Vertrag läuft auf ihren Vater. Später geht er innerhalb der Familie auf Maricarmen über. Die Eigentümergesellschaft Urbagestión erwirbt das Haus; 2020 teilt sie Maricarmen nach Medienberichten mit, sie müsse ausziehen. Urbagestión vertritt die Auffassung, der Altvertrag sei nach den Übergangsregeln nicht mehr fortgesetzt worden.
Vor Gericht gewinnt Maricarmen zunächst in erster Instanz. Die Audiencia Provincial de Madrid hebt dieses Urteil auf, und das Tribunal Supremo gibt den Eigentümern am Ende recht. Damit ist die Beendigung des Mietverhältnisses rechtskräftig. Die genauen Daten der einzelnen Entscheidungen werden in den Berichten nicht einheitlich genannt und sind hier nicht aufgeführt.
Mehrere Räumungsversuche scheitern
Der erste Räumungsversuch findet im Oktober 2025 statt. Nachbarn und das Sindicato de Inquilinas (Mietersyndikat) mobilisieren, bis zum vierten Versuch werden die Termine mehrfach verschoben. Die genauen Gründe der einzelnen Aufschübe lassen sich ohne die Gerichtsbeschlüsse nicht benennen.
23. September: Der vierte Versuch
Am 23. September wird die Räumung beim vierten Anlauf vollzogen. Maricarmen verlässt die Wohnung auf einer Trage und wird per Krankenwagen in das Krankenhaus Gregorio Marañón gebracht. Medien sprechen von einem großen Polizeiaufgebot und Protesten vor dem Haus. Am Abend demonstrieren in Madrid Tausende Menschen. Zwei Tage später meldet sich Maricarmen aus dem Krankenhaus mit einer ersten öffentlichen Botschaft.
25. bis 29. September: Die Einigung
Am 25. September macht Urbagestión der Stadt Madrid einen Vorschlag, wie Maricarmen in die Wohnung zurückkehren könnte. Die Stadt lehnt die vorgeschlagene Konstruktion ab und bietet stattdessen Vermittlung an. Am 26. September gibt es erneut eine große Demonstration in Madrid. Das Sindicato de Inquilinas richtet an der Puerta del Sol ein Protestcamp ein und kündigt an, es auch nach einer Einigung aufrechtzuerhalten.
Am 28. September verhandeln die Beteiligten bei der kommunalen Wohnungsgesellschaft EMVS Madrid. Deren Geschäftsführerin Ana de Miguel erklärt, vereinbart sei ein neuer Mietvertrag über acht Jahre mit einer Miete von höchstens 30 Prozent der Nettoeinkünfte. Die Anwältin Beatriz Duro sagt, ohne die Unterstützung des Mietersyndikats und die gesellschaftliche Mobilisierung wäre dies nicht möglich gewesen. Der Vertrag ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht unterzeichnet, Maricarmen soll nach der Entlassung aus dem Krankenhaus zurückkehren.
7. Oktober: Tod vor der Rückkehr
Am Abend des 7. Oktober gibt das Sindicato de Inquilinas bekannt, dass Maricarmen im Krankenhaus gestorben ist. Die ausgehandelte Lösung sei „zu spät“ gekommen, heißt es in der Mitteilung; das Syndikat spricht von einem „quälenden Prozess“. Sprecherin Alicia del Río erklärt, der „Rentismus“ habe Maricarmen getötet. Das ist die Wertung des Syndikats.
Eine amtlich bestätigte Todesursache wurde bis zum Redaktionsschluss nicht veröffentlicht. Belegt ist die zeitliche Abfolge: Räumung am 23. September, Einweisung ins Krankenhaus, Tod 14 Tage später. Der Vox-Europaabgeordnete Hermann Tertsch forderte eine Autopsie.
Vom Einzelfall zur politischen Krise
Der Fall fällt in eine politisch aufgeladene Woche. Am Freitag, 2. Oktober, lehnt der Kongress die beiden Wohnungsdekrete der Regierung ab, mit den Stimmen von PP, Vox, Junts und UPN. Am 5. Oktober kündigt Ministerpräsident Pedro Sánchez die Auflösung der Cortes und Neuwahlen für den 29. November an. Am 6. Oktober beschließt die Regierung überarbeitete Dekrete, die am 7. Oktober im Staatsanzeiger BOE erscheinen. Da die Cortes aufgelöst sind, entscheidet über die Bestätigung die Diputación Permanente, der Ständige Ausschuss.
Nach dem Tod äußerte sich Sánchez auf X: „Todo mi cariño a la familia y a los seres queridos de Maricarmen“. Oppositionschef Alberto Núñez Feijóo forderte, den Fall nicht zu politisieren: „Ni campaña, ni partidos, ni utilización interesada“. Der Fall wirkte als Auslöser und Verstärker der Debatte. Die Neuwahl lässt sich nicht allein auf ihn zurückführen: Unmittelbarer Anlass war das Scheitern der Dekrete im Kongress.
Weiterführende Links: El Salto: Reaktionen auf den Tod, Infobae: Liveticker zum Tod von Maricarmen, Diari de Tarragona: Einigung über die Rückkehr, RTVC: Vorschlag von Urbagestión, ARA: Stadt lehnt Angebot ab, RTVC: Kongress und Wohnungsdekrete
Mehr zum Thema: Sánchez löst Cortes auf – Neuwahl am 29. November | Spaniens neue Wohnungsdekrete


