Vor der Küste Fuerteventuras sorgt ein riesiger, scheinbar halb versunkener Betonblock für Aufmerksamkeit. Ein gekentertes Schiff oder ein Unfall ist es nicht: Der Schlepper V.B. Tamarán zieht einen Betonblock nach Puerto del Rosario. Alles deutet darauf hin, dass es sich um einen Stahlbeton-Caisson für den Ausbau des Hafens handelt.
Schlepper zieht Betonblock nach Puerto del Rosario
Wer am Donnerstag, dem 17. September 2026, auf das Meer vor Fuerteventura blickte, sah einen ungewöhnlichen Anblick: Ein riesiger rechteckiger Körper ragte nur teilweise aus dem Atlantik und wirkte auf den ersten Blick fast wie ein gekentertes Schiff.
Salvamento Marítimo (die spanische Seenotrettung) hat für den Schleppverband eine Navigationswarnung veröffentlicht. Demnach zieht der Schlepper V.B. Tamarán, Rufzeichen ECMX, einen „bloque de hormigón“ (Betonblock) nach Puerto del Rosario. Die Ankunft ist für den 18. September um 8 Uhr UTC angegeben, also 9 Uhr Ortszeit. Der Schleppverband ist rund 450 Meter lang. Andere Schiffe sollen besonders vorsichtig fahren und ausreichend Abstand halten.
Schwimmende Betonkästen für den neuen Hafendamm
Für das Projekt „Dique Muelle Comercial“ im Hafen von Puerto del Rosario lässt die Autoridad Portuaria de Las Palmas (Hafenbehörde von Las Palmas) im Hafen von Las Palmas auf Gran Canaria insgesamt acht schwimmfähige Caissons bauen. Sie werden nach Puerto del Rosario gebracht und dort abgesenkt. Welcher der Caissons jetzt unterwegs ist, geht aus der Warnung von Salvamento Marítimo nicht hervor.
Dass ein so massiver Betonblock schwimmt, liegt an seiner Bauweise. Die Caissons sind rechteckige Blöcke aus Stahlbeton, im Inneren aber durch rechteckige Hohlzellen leichter gemacht. Unten haben sie ein durchgehendes Fundament. So schwimmen sie beim Transport, bevor sie am Zielort abgesenkt werden.
Erster Caisson fast 16 Meter hoch
Der erste der acht Caissons wurde auf den Namen „Virgen de la Peña“ getauft und war Ende April 2026 in Las Palmas fertiggestellt. Er ist 36,05 Meter lang, 19,55 Meter breit und 15,90 Meter hoch. Damit ist er kleiner als die sieben weiteren Betonkästen, denn er ist für die künftige Ro-Ro-Rampe vorgesehen.
Die große Höhe erklärt auch den ungewöhnlichen Anblick auf dem Meer: Ein beträchtlicher Teil eines solchen Bauwerks liegt beim Schleppen unter der Wasserlinie.
Mehr Schutz für den Hafen von Puerto del Rosario
Der neue Damm soll den Hafen vor allem besser gegen Seegang aus nördlichen Richtungen schützen und damit die Nutzbarkeit des Hafens verbessern. Laut Hafenbehörde profitiert davon besonders das Kreuzfahrtterminal.
Der Damm besteht aus zwei Abschnitten und einem Anbau. Zwei Caissons bilden einen Abschnitt von 105,30 Metern Länge, fünf weitere einen Abschnitt von 269,90 Metern. Hinzu kommt ein angesetzter Bereich von 36,25 Metern.
Am neuen Damm sollen künftig auch Erdölprodukte entladen werden. Der bisher dafür genutzte hintere Teil des bestehenden Muelle Comercial wird damit für andere Zwecke frei. Außerdem entsteht eine neue Ro-Ro-Rampe, über die die Schiffe der regulären Linien des Hafens am neuen Damm abgefertigt werden können.
Hafenprojekt für rund 44 Millionen Euro
Im April 2026 wurde das Budget des Projekts mit rund 40,66 Millionen Euro angegeben, mitfinanziert aus dem europäischen Fonds FEDER. Im Plan de Empresa 2027 (Unternehmensplan) der Hafenbehörde, den Puertos del Estado im Juli genehmigte, steht die Erweiterung des Dique Muelle Comercial um 250 Meter mit 44,2 Millionen Euro. Für die Ro-Ro-Rampe sind dort zusätzlich 3 Millionen Euro vorgesehen.
Wer den „Betonriesen“ derzeit vor Fuerteventura sieht, beobachtet also keine Havarie, sondern einen Transport für eines der großen Bauprojekte im Hafen der Inselhauptstadt.
Weiterführende Links: Salvamento Marítimo – Navigationswarnungen, Puertocanarias – Bau der Caissons, Puertocanarias – Plan de Empresa
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