StartBlaulichtCaso Catastro Immobilienbetrug: Hauptangeklagter räumt Taten ein

Caso Catastro Immobilienbetrug: Hauptangeklagter räumt Taten ein

Im Prozess um den sogenannten Caso Catastro hat der Hauptangeklagte vor der Audiencia Provincial von Las Palmas die Vorwürfe eingeräumt. Die Gruppe soll zwischen 2011 und 2016 mit gefälschten Unterlagen das Eigentum an 141 ländlichen Grundstücken auf Gran Canaria, Fuerteventura und Lanzarote umgeschrieben haben. Die Nachrichtenagentur EFE berichtet vom ersten Verhandlungstag.

Caso Catastro Hauptangeklagter im Katasterprozess räumt Fälschungen und ein

Der Hauptangeklagte Santiago Ramón M. M., für den die Staatsanwaltschaft ursprünglich 17 Jahre Haft gefordert hatte, räumte am Dienstag alle Anklagepunkte ein. Ihm werden fortgesetzte Urkundenfälschung, Betrug, Geldwäsche und die Zugehörigkeit zu einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen. Vor Gericht gab er zu, Kaufverträge verändert und bei der Gerencia Regional del Catastro de Canarias (Regionalverwaltung des Katasters der Kanaren) in Las Palmas eingereicht zu haben. Er sei Teil einer Gruppe gewesen, die Grundstücke ohne Wissen der Eigentümer auf andere Namen umschreiben ließ, um sich zu bereichern.

Absprache mit der Staatsanwaltschaft

Nach Angaben aus dem Umfeld seiner Verteidigung kam das Geständnis durch eine Einigung mit der Staatsanwaltschaft zustande. Demnach sollen die geforderten Strafen für jedes einzelne Delikt unter zwei Jahren Haft liegen. Ein Urteil gibt es noch nicht, das Gericht entscheidet am Ende des Verfahrens.

Weitere Angeklagte fordern Freispruch

Ursprünglich standen fünf Personen im Verdacht, zwei von ihnen sind inzwischen gestorben. Für José O. M. fordert die Staatsanwaltschaft 13 Jahre Haft, für José María C. F. neun Jahre, jeweils wegen derselben Delikte wie bei Santiago Ramón M. M., mit Ausnahme des Betrugs. Ihre Verteidiger beantragen Freispruch, beide Männer sollen am Ende des Prozesses aussagen. Laut Anklageschrift wurden bei den Beschuldigten 47 hochwertige Fahrzeuge, Luxusuhren und Schmuck sichergestellt, dazu die Grundstücke und weitere Immobilien.

Guardia Civil: Auslöser war ein Geschädigter aus Fuerteventura

Ein Beamter der Guardia Civil aus der Gruppe Patrimonio, der von Beginn an an den Ermittlungen beteiligt war, schilderte dem Gericht den Ablauf. Den Anstoß gab demnach ein Geschädigter aus Fuerteventura. Im Katasteramt habe der angeklagte Beamte Jesús O. M. gehandelt, profitieren wollte laut Zeuge ein inzwischen verstorbener Angeklagter, der die Gruppe auf Fuerteventura vertrat.

Alle betroffenen Vorgänge hätten ein gemeinsames Merkmal gehabt: Es fehlte die Anhörung der Eigentümer, einige seien an einem einzigen Tag abgeschlossen worden, obwohl solche Verfahren sonst deutlich länger dauern, und es gab keine Empfangsbestätigung, die Betroffenen wurden also nicht benachrichtigt. Bis zu 158 Vorgänge seien verändert worden, weil Jesús O. M. als Insider Zugang zur Datenbank des Katasters hatte.

Der Hauptangeklagte habe sich zudem um Strohmänner und Strohfrauen gekümmert, stets um dieselben Personen. Auf sie liefen die Grundstücke zunächst, danach verkauften sie diese an Gesellschaften der Angeklagten. Es handelte sich um Flächen, die im Kataster als „in Untersuchung“ geführt wurden. Die Kaufverträge wurden gefälscht und meist auf die 1980er und 1990er Jahre zurückdatiert, der rechtmäßige Eigentümer war oft bereits gestorben. Die meisten Objekte waren ländliche Fincas.

Viele Behördengänge erledigten die Angeklagten in der Gestoría (Verwaltungsbüro) von José María C. F., den der Zeuge auf der mittleren Ebene der Gruppe verortet. Bei abgefangenen E-Mails von Jesús O. M. an ihn fand sich mehrfach der Satz: „Das ist die Zukunft, ich habe noch drei.“

Streit um die Durchsuchungen

Zwei weitere Guardia-Civil-Beamte sagten aus, die Durchsuchungen von Büros und Wohnungen der Angeklagten sowie der Gerencia Regional del Catastro de Canarias (Regionalverwaltung des Katasters der Kanaren) in der Avenida Primero de Mayo 19 in Las Palmas de Gran Canaria seien ordnungsgemäß verlaufen. Der Verteidiger von Jesús O. M., Sergio Armario, widersprach und beantragte, die Durchsuchung des Katasters und der Gestoría für nichtig zu erklären. In der Gestoría befand sich auch eine Anwaltskanzlei, deren Durchsuchung im Gerichtsbeschluss nicht erwähnt gewesen sei. Die Guardia Civil habe ihre Anordnung überschritten und IT-Material ohne Genehmigung und ohne Urkundsperson sichergestellt. Das Durchsuchungsprotokoll nannte er „chapucera“, also nachlässig geführt. Sein Mandant sei seit 2012 Inspektor für Pflanzengesundheit im Hafen von Las Palmas und habe keine Verbindung zum Katasteramt. Über die Nichtigkeit entscheidet das Gericht im Urteil.

Bereits 2025 vertagt

Der Prozess stand schon einmal vor dem Beginn. Im März 2025 wurde er ohne neuen Termin vertagt, nachdem eine Einigung gescheitert war und die Verteidigung eines auf Fuerteventura wohnenden Angeklagten erklärt hatte, ihr Mandant könne nicht zur Verhandlung nach Las Palmas reisen.

Weiterführende Links: La Voz de Lanzarote (Vertagung 2025), Quelle : EFE

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Ingo Töpfer
Ingo Töpfer
Ingo Töpfer ist verantwortlicher Chefredakteur von Fuerteventura.News und Radio Sol FM Ftv.
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