Die Policía Nacional sieht die Massenüberquerung nach Ceuta vom 30. und 31. Juli 2026 als geplante Operation – koordiniert von Personen, die mit den marokkanischen Sicherheitskräften in Verbindung stehen. Das geht aus einem Bericht hervor, der der Audiencia Nacional übermittelt wurde und der Zeitung ABC vorliegt. Zwischen 75.000 und 85.000 Menschen überquerten demnach die Grenze.
Audiencia Nacional erhält vertrauliches Dokument der Policía Nacional
Kein Zufall: Bericht belegt strategische Planung
„Wir haben es nicht mit einem spontanen oder zufälligen Ereignis zu tun“, heißt es in dem Dokument, das am Montag an Richterin María Tardón von der Audiencia Nacional übermittelt wurde. Die Ermittler sehen hinter dem Massengrenzübertritt eine strategische und operationelle Führung, die nach klar definierten Verfahren in verschiedenen Ausführungsphasen gehandelt habe. Zugleich räumt der Bericht ein, dass bislang keine Einzelpersonen als konkrete Urheber identifiziert werden konnten. Die Migrationsmotive hätten dabei lediglich als formaler Deckmantel gedient – dafür spreche, dass nur rund zehn Prozent der Überquerenden letztlich auf spanischem Territorium verblieben.
Marokkanische Beamte wiesen den Weg durch das Wasser

Befragungen von Migranten ergaben laut Bericht nahezu einhellig, dass Angehörige der marokkanischen Sicherheitskräfte nicht passiv blieben, sondern aktiv Hinweise gaben: Sie hätten den Menschen geraten, durch das Wasser entlang des Wellenbrechers von El Tarajal zu waten – und nicht andere Zugänge zu nutzen. Satellitenbilder vom 30. Juli zeigen nach Angaben der Ermittler kaum Polizei- oder Militärpräsenz an den Strandabschnitten oder dem Wellenbrecher. Stattdessen seien die Zufahrtsstraßen geräumt und eine große Zahl Taxis geordnet geparkt gewesen. Die Grenzzone von El Tarajal sei etwa zehn Stunden lang faktisch ohne wirksame Kontrolle gewesen.
Soziale Netzwerke koordinierten den Ansturm in mehreren Phasen
Bereits vor dem 30. Juli kursierten auf Facebook, Instagram und TikTok offene Aufrufe, darunter Nachrichten wie „Der 30. Juli“ oder Ankündigungen eines Angriffs auf Ceuta. In den Tagen darauf verlagerte sich die Kommunikation in geschlossene WhatsApp-Gruppen, in denen operative Details ausgetauscht wurden: Treffpunkte, Transportwege über Tanger sowie genaue Routen bis nach Fnideq. Während der Überquerung selbst wurden auf allen Plattformen gleichzeitig Lagemeldungen verbreitet. Die Policía Nacional wertet dies als Beleg für einen hohen Spezialisierungsgrad, der weit über die Kapazitäten bekannter krimineller Strukturen im Bereich der irregulären Migration in Marokko hinausgehe. Der Bericht verweist zudem darauf, dass das Datum mit dem marokkanischen Thronfeiertag zusammenfiel, an dem König Mohammed VI. öffentlich präsent war.
Quelle: Originalmeldung
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