Droht den Wohnmobilen auf Fuerteventura jetzt das Aus? Ganz so weit geht es nicht. Eine aktuelle Studie der Universität Las Palmas de Gran Canaria (ULPGC) befasst sich mit 24 Naturstränden zwischen El Cotillo und Corralejo. Die Forschenden kommen zu dem Schluss, dass der Verkehr in diesem empfindlichen Küstenabschnitt besser gesteuert werden sollte, um Dünen, geschützte Pflanzen und Lebensräume seltener Vogelarten zu schützen. Ein pauschales Verbot von Wohnmobilen oder anderen Fahrzeugen fordert die Studie aber nicht. Stattdessen plädieren die Wissenschaftler für ein geordnetes Besucher- und Parkraummanagement, das den Zugang zu den Stränden offenhält und gleichzeitig die Belastung sensibler Naturflächen begrenzt.
ULPGC – Studie und Ordenanza setzen Fuerteventuras Camper unter Druck
Die ULPGC – Studie und die Ordenanza greifen in dasselbe Problem ein
Die ULPGC-Studie und die neue Ordenanza (de fijación de criterios de acampadas ..) setzen an derselben Stelle an, aber mit unterschiedlichem Blick.
Die Studie schaut auf die Belastbarkeit eines besonders sensiblen Küstenabschnitts. Dabei geht es um Fragen wie: Wie viele Fahrzeuge verträgt ein Strand überhaupt? Wo fehlen Parkflächen? Welche Bereiche sind besonders sensibel? Und wo liegen Brutgebiete für Vögel?
Die Ordenanza zieht daraus die rechtlichen Konsequenzen. Sie teilt die Insel in Zonen ein, legt Regeln fest und schließt besonders schützenswerte Räume aus. Gebiete im Red Natura-Netz, geschützte Flächen und andere sensible Zonen sollen nicht mehr einfach frei genutzt werden können.
Kurz gesagt: Die Studie fragt, wie viel Nutzung eine Küstenzone aushält. Die Ordenanza sagt, wo Nutzung noch erlaubt ist und wo nicht mehr.
Vor allem im Norden wird es eng aber nicht nur dort
Die 24 untersuchten Strände liegen in der Gemeinde La Oliva, innerhalb der ZEPA „Costa Norte de Fuerteventura“. Das ist einer der ökologisch wertvollsten Küstenräume der Insel. Gleichzeitig gehört er zu den am stärksten belasteten.
Genau darin liegt das Problem. Die Natur ist spektakulär, die Nachfrage hoch, der Platz aber begrenzt. Wer möglichst nah an den Strand will, landet fast automatisch auf denselben wenigen Zufahrten und Flächen. Wo Parkplätze fehlen oder zu klein sind, wird auf unbefestigten Böden abgestellt. Das schadet den Dünen, drückt Pflanzen nieder und verändert Lebensräume, die sich nur langsam erholen.
Die Studie will darauf nicht mit Verboten reagieren, sondern mit Lenkung. Und genau das ist der Kern der Debatte.
Das betrifft nicht nur den Norden. Auch im Süden der Insel gibt es Konflikte, etwa rund um Cofete, Roque del Moro oder Gran Valle. Dort treffen Naturschutz, hoher Nutzungsdruck und touristische Interessen direkt aufeinander.
Studie sagt: Nicht Verbot, sondern Steuerung
Die ULPGC-Studie spricht sich ausdrücklich nicht für ein generelles Wohnmobilverbot aus. Auch ein pauschales Fahrverbot steht nicht im Raum.
Stattdessen geht es um etwas Nüchternes, aber oft Unbequemes: Wenn alle an denselben Strand fahren, wird genau dieser Ort irgendwann zerstört.
Deshalb empfehlen die Forschenden ein besser organisiertes Besucher- und Parkraummanagement. Stellflächen sollen klarer geordnet, Besucherströme verteilt und sensible Flächen entlastet werden. Der Zugang zur Küste bleibt damit möglich, aber eben nicht mehr auf die wilde Tour.
Und genau das macht die Studie interessant: Sie liefert keine Schlagzeile nach dem Muster „Wohnmobile raus“. Sie sagt etwas deutlich Sachlicheres, aber auch deutlich Härteres: Wer Fuerteventuras Naturstrände erhalten will, braucht Regeln.
Die Ordenanza setzt den Rahmen für die ganze Insel
Während die ULPGC-Studie den Norden im Detail betrachtet, zieht die Ordenanza den größeren Rahmen über die gesamte Insel.
Nach den vorliegenden Angaben erfasst sie 49 bekannte Acampada-Zonen. 17 davon gelten als nicht geeignet, 3 als uneingeschränkt geeignet und 29 nur unter Auflagen. Dazu kommen klare Ausschlusskriterien für geschützte Räume und sensible Landschaften.
Auch hier gilt: Das betrifft nicht nur eine kleine Ecke im Norden. Die Verordnung soll Wildwuchs beenden und festlegen, wo Camping und Caravaning überhaupt noch möglich sind.
Sie ist damit mehr als ein Verwaltungstext. Sie ist der Versuch, eine Inselkarte für geordnetes Camping zu zeichnen.
Wohnmobiltourismus: Problem und Chance zugleich
Dabei geht es nicht nur um Einschränkungen. Die Ordenanza verweist auch auf die wirtschaftliche Seite.
Der Wohnmobil- und Caravan-Tourismus wächst seit Jahren. Fuerteventura ist für viele Camper ein attraktives Ziel, gerade für längere Aufenthalte und für die Nebensaison. Offizielle, gut ausgestattete Flächen können dabei auch Geld in die lokale Wirtschaft bringen: für Handel, Versorgung, Entsorgung, Reparaturen, Gastronomie und andere Dienstleistungen.
Genau darin liegt der Konflikt. Und zugleich die Chance.
Es geht nicht darum, Camper grundsätzlich zu verdrängen. Es geht darum, sie so zu lenken, dass Natur geschützt bleibt und Tourismus trotzdem möglich ist. Die ULPGC-Studie zeigt die ökologische Grenze. Die Ordenanza zeigt die politische Richtung.
Casas de Majanicho als Auslöser
Entstanden ist die Untersuchung im Zusammenhang mit der ökologischen Bewertung und Renaturierung des illegal erschlossenen Gebiets Casas de Majanicho. Dort waren rund 140 Hektar ländlicher Boden betroffen, davon etwa 15,5 Hektar innerhalb des geschützten Vogelschutzgebiets.
Das zeigt: Die Studie ist nicht aus dem Nichts entstanden. Sie reagiert auf einen ganz konkreten Konflikt um Nutzung, Schutz und Nachsteuerung. Genau daraus erklärt sich auch ihre aktuelle Bedeutung.
Was bedeutet das für Fuerteventura?
Die Antwort ist ziemlich klar: Eine Verbannung der Wohnmobile steht nicht unmittelbar im Raum. Aber die Zeiten des fast beliebigen Freistehens dürften immer stärker vorbei sein. Sowohl die ULPGC-Studie als auch die neue Ordenanza zeigen in dieselbe Richtung. Fuerteventura will Camping und Caravaning nicht abschaffen, sondern ordnen. Wer die Insel nutzt, soll das künftig auf klaren Flächen und unter klaren Bedingungen tun. Für viele Camper ist das eine Einschränkung. Für die Insel kann es der einzige Weg sein, Natur und Tourismus überhaupt noch zusammenzubringen.
Die Kernaussage der ULPGC-Studie ist klar: Nicht Verbote, sondern geordnete Lenkung.
Angesichts der Debatten über Wildcampen, Wohnmobile, Stellplätze und Naturschutz liefert die Untersuchung einen nüchternen Ansatz. Sie richtet den Blick nicht auf einzelne Fahrzeugarten, sondern auf die eigentliche Frage: Wie lässt sich die empfindliche Küstenlandschaft schützen, ohne den Zugang für Besucher komplett zu beschneiden?
Für Fuerteventura dürfte diese Frage in den kommenden Jahren noch wichtiger werden. Denn mit weiter steigenden Besucherzahlen wächst auch der Druck, Naturtourismus und Naturschutz dauerhaft miteinander zu vereinbaren. Die Studie der ULPGC liefert dafür eine klare wissenschaftliche Grundlage und die Ordenanza das Werkzeug.
Weiterführende Links: Studie der Universidad de Las Palmas de Gran Canaria (ULPGC), Cabildo acampadas


