Spanien trauert: Beim Zusammenstoß zweier Hochgeschwindigkeitszüge nahe Urda in der Provinz Toledo sind am Mittwochmorgen, 28. Oktober, nach Angaben der Regionalregierung von Castilla-La Mancha mindestens 68 Menschen ums Leben gekommen. Bei dem Zugunglück wurden mehr als 100 Fahrgäste verletzt, viele von ihnen schwer. Es ist das schwerste Bahnunglück in Spanien seit 2013. Die Redaktion von Radio Sol FM und fuerteventura.news ist in Gedanken bei den Opfern und ihren Familien.
Unser Mitgefühl gehört den Angehörigen der Opfer vom Zugunglück von Urda
Hinter jeder Zahl steht ein Mensch, der an diesem Morgen in einen Zug gestiegen ist, um zur Arbeit, zur Familie oder in den Urlaub zu fahren. Vielen Familien in ganz Spanien steht nun eine Zeit bevor, die sich niemand vorstellen möchte. Ihnen gilt unser tiefes Mitgefühl. Den Verletzten wünschen wir Kraft und baldige Genesung, den Rettungskräften, die seit dem Morgen an der Unglücksstelle arbeiten, unseren Dank.
Auch auf Fuerteventura reisen viele Menschen regelmäßig auf das Festland, und die Strecke zwischen Madrid und Andalusien gehört zu den meistgenutzten Verbindungen des Landes. Die Nachricht aus Toledo hat deshalb auch auf den Inseln tiefe Betroffenheit ausgelöst.
Was über das Zugunglück bekannt ist
Der Zusammenstoß ereignete sich gegen 8.54 Uhr auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke Madrid–Sevilla, rund 140 Kilometer südlich von Madrid im Gemeindegebiet von Urda. Beteiligt waren ein AVE der staatlichen Bahngesellschaft Renfe, der von Madrid nach Sevilla unterwegs war, und ein Zug des privaten Betreibers Iryo. Nach Angaben des Verkehrsministeriums fuhr der Renfe-Zug auf den stehenden Iryo-Zug auf. Mehrere Wagen entgleisten, mindestens zwei stürzten eine Böschung hinab.
Laut dem Schienennetzbetreiber Adif (Administrador de Infraestructuras Ferroviarias) befanden sich zum Zeitpunkt des Unglücks 544 Menschen in beiden Zügen: 397 im AVE (Zug 2080) und 147 im Iryo-Zug (Zug 6076), darunter ein Baby. Regionalpräsident Emiliano García-Page sprach von einer „Tragödie ohne Beschönigung“ und rechnete damit, dass bei der Bergung der Waggons weitere Todesopfer gefunden werden. Die Zahlen sind daher vorläufig.
Ermittlungen zur Ursache
Verkehrsminister Óscar Puente erklärte, gegen 8.30 Uhr sei im Bereich Urda das Zugsicherungssystem LZB nach einem Kommunikationsfehler zwischen drei Rechnern ausgefallen. Auf einem 63 Kilometer langen Abschnitt seien daraufhin alle Züge automatisch angehalten worden. Die Entscheidung, die Fahrt wieder aufzunehmen, habe beim Kontrollzentrum gelegen. Der AVE sei danach mit einer Geschwindigkeit weitergefahren, bei der er nicht mehr rechtzeitig bremsen konnte, und nach rund 25 Kilometern auf den stehenden Iryo-Zug geprallt. Puente nannte die Freigabe „unerklärlich“, wollte aber niemandem die Schuld zuweisen: Die Schlüsse müsse die Untersuchung ziehen.
Guardia Civil und die staatliche Untersuchungskommission für Bahnunfälle CIAF (Comisión de Investigación de Accidentes Ferroviarios) haben den Mitarbeiter des Kontrollzentrums befragt, der zum Unglückszeitpunkt den Verkehr auf der Strecke regelte. Das Verfahren führt ein Gericht in Orgaz. Ministerpräsident Pedro Sánchez kündigte an, mögliche Versäumnisse oder Fehler im Sicherheitssystem würden mit aller Konsequenz aufgeklärt.
Einschränkungen im Bahnverkehr
Der Hochgeschwindigkeitsverkehr zwischen Madrid, Ciudad Real und Andalusien ist bis auf Weiteres eingestellt. Adif hat für Angehörige und Betroffene Anlaufstellen in Madrid, Córdoba und Sevilla eingerichtet. Die Comunidad de Madrid hat die Krankenhäuser La Paz, Getafe und 12 de Octubre für die Versorgung von Verletzten in Bereitschaft versetzt. Wer in den nächsten Tagen eine Reise über Madrid nach Andalusien geplant hat, sollte sich vorab bei Renfe oder Iryo über den Stand informieren.
Das zweite schwere Bahnunglück in diesem Jahr
Für Spanien ist es bereits das zweite schwere Unglück im Hochgeschwindigkeitsverkehr in diesem Jahr. Am 18. Januar waren bei Adamuz in Andalusien zwei Hochgeschwindigkeitszüge zusammengestoßen, dabei starben nach Angaben der BBC 45 Menschen. Schwerer war zuletzt nur das Unglück von Santiago de Compostela im Juli 2013 mit 80 Toten.
Weiterführende Links: BBC News Mundo, elDiario.es


