Auf La Palma, dem bedeutendsten astronomischen Standort der Kanarischen Inseln, sind vier neue Großteleskope offiziell in Betrieb genommen worden. Das Observatorio del Roque de los Muchachos beherbergt nun die Large-Sized Telescopes (LST), die künftig Teil des weltweiten Cherenkov Telescope Array Observatory (CTAO) sein werden. Nobelpreisträger Takaaki Kajita erwartet Entdeckungen, die Wissenschaftler bislang noch nicht einmal erahnen konnten.
Vier Large-Sized Telescopes am Roque de los Muchachos eingeweiht
Kanarische Inseln als neues Zentrum der Gammastrahlenastronomie
Ein Konsortium aus elf Ländern hat die vier LST-Teleskope am Roque de los Muchachos auf La Palma eingeweiht.
Die Teleskope sind jeweils 45 Meter hoch, wiegen rund 100 Tonnen und verfügen über einen Reflektor mit 23 Metern Durchmesser. Trotz ihrer gewaltigen Ausmaße können sie sich in etwa zwanzig Sekunden auf jeden beliebigen Punkt am Himmel ausrichten. Sie sind darauf ausgelegt, schnell auf kurzzeitige kosmische Ereignisse zu reagieren – etwa auf Alarme von Gravitationswellendetektoren wie LIGO, Virgo oder KAGRA sowie von Neutrinoobservatorien.
Multimessenger-Astronomie und die Suche nach dunkler Materie
Der japanische Physiker Takaaki Kajita, Träger des Nobelpreises für Physik 2015 für die Entdeckung von Neutrinooszillationen, betonte die Bedeutung der sogenannten Multimessenger-Astronomie. Dabei werden verschiedene kosmische Signale – Gammastrahlen, Neutrinos und Gravitationswellen – kombiniert, um ein vollständiges Bild eines Ereignisses zu gewinnen. Wissenschaftlicher Leiter Masahiro Teshima hob das Potenzial der LST hervor, supermassive Schwarze Löcher und Supernova-Überreste zu untersuchen. Ein zentrales Ziel ist zudem die Suche nach Signalen dunkler Materie: Bestimmte Teilchen könnten sich gegenseitig vernichten und dabei Gammastrahlen erzeugen, weshalb das galaktische Zentrum als besonders vielversprechendes Beobachtungsziel gilt.
Tausende neue Gammastrahlenquellen in Reichweite
CTAO-Generaldirektor Stuart McMuldroch unterstrich den Quantensprung, den die neuen Teleskope ermöglichen: Statt der bislang bekannten Hunderte von Gammastrahlenquellen könnten künftig potenziell Tausende untersucht werden. Diese gesteigerte Empfindlichkeit könnte dazu führen, dass etablierte physikalische Modelle neu bewertet werden müssen – ähnlich wie in früheren Epochen der Physikgeschichte. McMuldroch brachte das Kernziel auf den Punkt: „Wir wissen nicht, was dunkle Materie ist.
Quelle: Originalmeldung
Mehr zum Thema: Alle Artikel zu Nachrichten des Tages


