Rund 2.500 Ferienwohnungen sind auf den Kanaren nach Angaben der Kanarischen Regierung freiwillig auf den regulären Wohnungsmarkt zurückgekehrt. Miguel Ángel Rodríguez Martínez, Generaldirektor für touristische Ordnung, Ausbildung und Promotion, zieht auf dem World Travel Market (WTM) in London im Interview mit Radio Sol FM eine positive Bilanz nach zehn Monaten Ferienwohnungsgesetz. Außerdem spricht er über Kerosinpreise, die Erneuerung der Hotels, den Last-Minute-Trend und Barrierefreiheit als feste Vorgabe.
Kanaren ziehen positive Bilanz nach zehn Monaten Ferienwohnungsgesetz

Das Ferienwohnungsgesetz zeige seit dem ersten Tag Wirkung, sagte Rodríguez. Erstens bremse es das Wachstum: Wo es keine Bauleitplanung gebe, die das erlaube, habe keine einzige zusätzliche Ferienwohnung hinzukommen können. Eine solche Planung hätten auf den Kanaren bisher nur drei Gemeinden, Las Palmas, Pájara und Granadilla de Abona. Diese Eindämmung hätten die großen Reiseveranstalter ausnahmslos gelobt.
Zweitens seien neue Ferienwohnungen in Neubauten erst erlaubt, wenn diese zehn Jahre alt sind. Das solle den Mangel an Wohnungen zur Langzeitmiete lindern. Drittens seien rund 2.500 Wohnungen freiwillig und ohne Sanktionen auf den regulären Wohnungsmarkt zurückgekehrt, wo sie wieder als Zuhause für die Einheimischen dienten.
Abgeschlossen sei die Auseinandersetzung um das Gesetz aber nicht, so Rodríguez. Manche bekämpften es weiterhin. Er verwies auf das Europäische Parlament, das Wohnraum im Januar 2021 als Menschenrecht und nicht als Finanzprodukt eingeordnet habe. Die Einheimischen stünden im Mittelpunkt der Tourismuspolitik, das habe Ministerin Jéssica de León vom ersten Tag an gesagt. Mehr Unterstützung hätte er sich etwa aus Stadtplanung und Architektur, von sozialen Gruppen und Nachbarschaftsvereinen gewünscht.
Barrierefreiheit nicht verhandelbar
In den neuen Vorschriften für Ferienwohnungen, Campingplätze und Zelten habe die Regierung darauf bestanden, dass Barrierefreiheit nicht verhandelbar ist. Das sei mühsam zu vermitteln gewesen, sagte Rodríguez. Die Verordnung für Campingplätze und Zelten sei beschlossen, werde im Amtsblatt der Kanaren (BOC) veröffentlicht und trete drei Monate danach in Kraft.
Fuerteventura habe zwar ein Hotel, das von den Vereinten Nationen als eines der barrierefreiesten der Welt ausgezeichnet wurde, das sei aber die Ausnahme. Viele Urlaubssiedlungen seien veraltet, auch der öffentliche Raum in den Urlaubsorten müsse barrierefrei erneuert werden.
Kerosinpreise und kürzere Renovierungszyklen
Zur Bilanz der ersten beiden Messetage sagte Rodríguez, die Kanaren blieben trotz Inflation und Unsicherheit in Europa ein bevorzugtes Reiseziel und ein sicherer Hafen in einem schwierigen internationalen Umfeld. Die Branche sorge sich aber um die Preise für Flugbenzin, die Absicherungen der Fluggesellschaften verlören mit der Zeit an Wirkung. Für die Kanaren seien die Flugverbindungen grundlegend.
Die Erneuerung der Hotels sei ein Erfolg gewesen und dürfe nicht stehen bleiben. Der übliche Zyklus von etwa zehn Jahren müsse womöglich kürzer werden, weil gerade britische Urlauber oft wiederkämen und nicht jedes Jahr dasselbe Hotel vorfinden wollten.
Last Minute als allgemeiner Trend
Dass Urlauber immer später buchen, sieht Rodríguez seit Monaten in praktisch allen Herkunftsländern, etwas weniger bei Gästen vom spanischen Festland. Reisen bleibe eine Priorität, aber auch der Geldbeutel zähle. Insgesamt seien die Aussichten für die Kanaren sehr gut, mit leichten Korrekturen nach unten.
Das ganze Interview auf Spanisch mit deutschen Untertiteln gibt es auf dem YouTube-Kanal von Radio Sol FM TV.
Weiterführende Links: Interview mit Miguel Ángel Rodríguez auf YouTube
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